Zwangsversteigerungen in Zeiten von Corona | Automate Estate
27 Jul 2020 / Blog > Corona

Zwangsversteigerungen in Zeiten von Corona

Wirtschaftliche Krisen haben oft Einfluss auf die Häufigkeit von Zwangsversteigerungen. Ein Indikator für den gesamtwirtschaftlichen Zustand eines Landes kann daher die Betrachtung der Anzahl von Zwangsversteigerungen von Immobilien sein. Denn bricht die Konjunktur ein, erhöhen sich z. B. die Arbeitslosenzahlen und so kommt es dazu, dass Immobilienkredite nicht mehr bedient werden können. Wir haben aus diesem Grund die Anzahl der Zwangsversteigerungen in Deutschland innerhalb der letzten sechs Monate analysiert und versucht herauszufinden, ob und wenn ja, welche Effekte die Corona Krise bisher hatte.

Die Anzahl veröffentlichter Zwangsversteigerungen brach bis Ende April um mehr als 88 Prozent ein

Die Niedrigzinsphase, die wirtschaftliche Situation Deutschlands sowie die extrem hohe Nachfrage nach Immobilien sorgte in den letzten Jahren dafür, dass die Anzahl der Zwangsversteigerungen stetig sank (vgl. Statista 2020). Unsere Analyse zeigt, dass auch jetzt vorerst kein Anstieg der Zwangsversteigerungen festzustellen ist und das Gegenteil der Fall ist. Die veröffentlichten Inserate brachen seit Februar bis Ende April um mehr als 88 Prozent ein. Sie erholten sich dann bis Ende Juli im Vergleich zu Februar um 286 Prozent und bewegen sich damit circa 54 Prozent unter dem Niveau, welches im Februar herrschte.

Zwangsversteigerungen Deutschland

Zwangsversteigerungen Deutschland

Kontaktbeschränkungen machten Zwangsversteigerungen unmöglich

Gründe für das massive Absinken der Zwangsversteigerungen im März und April lag vermutlich vor allem in den Kontaktbeschränkungen, welche Zwangsversteigerungen vorerst nicht möglich machten. Dafür spricht auch die Erholung im Mai, dem Monat, in dem die Kontaktbeschränkungen gelockert wurden. Gerichte haben seitdem wieder damit begonnen, Zwangsversteigerungstermine unter Beachtung von Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln zu veröffentlichten und stattfinden zu lassen.

Termine für Zwangsversteigerungen wurden möglicherweise ausgesetzt

Eine weitere Erklärung für die rückläufigen Zwangsversteigerungen kann die rechtliche Möglichkeit sein, welche Gläubiger und Vollstreckungsschuldner haben: eine Verlegung oder Aufhebung des Zwangsversteigerungstermins oder sogar eine einstweilige Einstellung des Zwangsversteigerungsverfahrens zu erwirken. Die rechtlichen Rahmenbedingungen finden sich hierzu beispielsweise im § 765a ZPO. Sollten sich Gläubiger und Schuldner einigen können, so kann auch eine einstweilige Einstellung des Verfahrens durch beide Parteien möglich sein. Dies auf Basis § 30 ZVG. Ob dies so vermehrt geschah, können wir aus unseren Daten jedoch nicht herauslesen. (vgl. Sebastian Meyer-Löffler: Anwalt.de 2020)

Stundung von Krediten führt vermutlich zu zeitlich verzögertem Ansteigen der Zwangsversteigerungen

Sollten vermehrt Schuldner nicht mehr ihre Immobilienkredite bedienen können, so wird sich eine Erhöhung der Zwangsversteigerungen erst zeitlich verzögert zeigen. Denn kann ein Kredit nicht mehr bedient werden und wird als Folge dieser von der Bank gekündigt, kann eine Zwangsversteigerung frühestens sechs Monate später erfolgen. Die Möglichkeit der Stundung der Kredite welche von der Bundesregierung beschlossen wurde, trägt zu einer zeitlichen Verzögerung zusätzlich bei. Wir vermuten, dass Zins und Tilgungsleistungen von Betroffenen vorerst gestundet wurden und sich langfristig jedoch die Zwangsversteigerungsverfahren durchaus erhöhen könnten. Der Zeitraum für die Zahlung der Zins und Tilgungsleistungen wurden schließlich nur verlängert und die Schuldlast nicht erlassen.

Zwangsversteigerungen enden nicht immer vor Gericht

Sollte es zu einer Zwangsversteigerung kommen, muss diese sechs Wochen zuvor öffentlich gemacht werden. Die erste Stelle dafür sind die Amtsblätter der Gerichtsbezirke sowie Aushänge im Gericht. Auf den Immobilienplattformen werden Zwangsvollstreckungen jedoch auch veröffentlicht. Wir haben für unsere Analyse die gängigen Immobilienplattformen gescannt. Bei unserer Analyse machten wir keinen Unterschied zwischen Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäusern, Eigentumswohnungen, Grundstücken und Garagen. In unserer Analyse haben wir diese zusammengefasst.

Wir vermuten keine kurzfristigen Effekte auf die Anzahl der Zwangsversteigerungen in den nächsten Monaten

Ob es vermehrt zu Zwangsversteigerungen von Immobilien kommt, werden demnach erst die kommenden Monate zeigen. Entscheidend dafür wird der Grad der wirtschaftlichen Folgen durch den abrupten Rückgang der Wirtschaftsleistung und die langfristigen Folgen daraus sein. Eine wichtige Rolle spielt dabei sicherlich die Frage, ob die Einkommen der Immobilienkäufer gleich bleiben, um die für getätigte Immobilieninvestitionen abgeschlossenen Kredite zu bedienen oder ob es durch den Wirtschaftseinbruch zu erhöhter Arbeitslosigkeit und deshalb zu Kreditausfällen kommt.

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